Veröffentlicht in Swasiland

Das Wetter dreht am Rad

Wie gut doch so eine heiße Dusche tut, ich hätte es mir für eine Reise durch Afrika nicht träumen lassen. Da stehe ich nun im Bad eines geschmackvoll eingerichteten kleinen Zimmers mit überdachter Terrasse vor dem breiten Fenster mit orangefarbenen Vorhängen, umgeben von einem grünen Idyll aus riesigen Strelizien und wilden Bananenstauden und taue endlich wieder auf. Das Städtchen Malkerns liegt nicht allzu weit entfernt, aber hier um das Malandela’s B&B herum befinden sich weitläufige Zuckerrohrfelder.

Der Regen ist von Norden her durchgezogen und hat offenbar eine Kaltfront mitgeschleppt, die mich an den Winter von zuhause erinnert. Also körperlich.
Schon gestern hatte sich das schlechte Wetter in den Bergen angekündigt, als morgens Nebel aufzog, der sich nur allmählich im Laufe des Vormittags zu einer dichten Wolkendecke in größeren Höhen verlagert hat. Später gab es ein kurzes Gewitter ohne das es richtig geregnet hätte, nur die Sonne kam nie so recht durch die Wolken. So konnte ich die Foresters Arms Lodge und ihre Umgebung bei Mhlambanyatsi kaum so recht genießen, bin lediglich am späten Nachmittag etwa 2 Stunden lang um den Golfplatz! herum und durch die Kiefernpflanzungen gewandert.

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Golfplatz bei Mhlambanyatsi

Heute morgen kam als erstes ein Gewitter mit kräftigem Schauer, und bei Dauerregen und kaltem Wind ist es dann geblieben. Da war ich aber froh, dass ich doch zwei Windjacken eingepackt habe und dass mein dünner Pullover eine Kapuze hat. Nach dem Tag Pause in der ansonsten sehr angenehmen Lodge weit oberhalb Bhunyas, muss ich heute zwangsläufig weiterfahren. Natürlich trotz des schlechteren Wetters.
Ich warte zwar nach dem ausgiebigen Frühstück noch, bis der Dauerregen etwas dünner wird und in Niesel übergeht, aber der bleibt mir dann den ganzen Tag über erhalten. Ganze acht Grad zeigt mein Thermometer am Tacho, als ich mit zwei Schichten an den Beinen und drei, später vier Schichten am Oberkörper, von Wind und Regen begleitet, den Weg zurück ins Tal des Lusutfu-Flusses fahre. Richtige Regenkleidung habe ich ja leider nicht dabei, lediglich die dünne Windhose und -jacke. So bin ich nach kurzer Zeit von außen richtig nass. Das Zwiebelprinzip wirkt aber trotzdem, und als ich noch eine zweite Windjacke unter die schon durchweichte erste Jacke ziehe, merke ich auch von der Kälte der Windböen nicht mehr allzu viel. Schlimm ist es nur bei längeren Abwärtspassagen und Geschwindigkeiten von mehr als 25 km/h, dann zieht die Kälte doch bis in die unterste Schicht. Während der ersten etwa 5 km kann ich mich an den kürzeren Zwischenanstiegen jeweils warm strampeln. Das fällt mir bei der Kälte mit dem Gegenwind allerdings genauso schwer wie zwei Tage zuvor schon, nur irgendwie waren mir die 30° mehr an dem Tag doch lieber, denn jetzt komme ich nur langsam auf Betriebstemperatur. Zum Glück sind wegen des Sonntags nur wenige LKW unterwegs.

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Nebel in den Bergen

Sobald ich wieder im Tal bin und Bhunya passiert habe, halte ich nach einer Tankstelle Ausschau, bei der ich mich aufwärmen könnte, aber außer einem großen und gut gesicherten Materialdepot der Forstgesellschaft sehe ich nichts. Dafür kleine Verkaufshütten an der Straße und ein paar Jungs, die offenbar auch im Regen auf Kundschaft warten. Ich kaufe zwei Bananen und rolle weiter. Die Straße in Richtung Manzini ist nun breiter als die Gebirgsstraße und führt viel sanfter über die nur noch leicht hügeligen Flanken des weiter werdenden Tals.
An einem verlassenen Kiosk etwas abseits der Straße stelle ich mich für einige Zeit trocken unter und esse eine der Bananen. Irgendwie geht es ja doch trotz des dauernden Regens weiter und zwei Grad wärmer ist es im Tal auch schon geworden. Lange stehen kann ich nicht, da kühle ich irgendwann aus. Also fahre ich recht schnell weiter. Die Landschaft ist jetzt viel offener, die Berge rücken weit in den Hintergrund oder verschwinden ganz in den Wolken und Wald ist nur noch in der Ferne zu erahnen. Während der nächsten 30 km halte ich immer wieder mal an, um mich unterzustellen, oder um Obst zu kaufen und gleich an Ort und Stelle zu essen. Kurze Aufwärmphasen. In Luyengo komme ich an der landwirtschaftlichen Fakultät der University of Swaziland vorbei, in der weiteren Fläche wird offenbar Zuckerrohr und Gemüse angebaut. Kohl war mir vorher schon aufgefallen.

An einer Tankstelle kurz vor Malkerns mache ich doch noch eine längere Pause. Es fuhr sich zuletzt zwar ganz angenehm über die sanfter werdenden, auslaufenden Hänge, aber ziemlich ausgekühlt bin ich inzwischen auch. Und eine heiße Schokolade sowie warmer Blätterteig helfen Schlimmeres zu verhindern.
Durch Malkerns bin ich dann auch bald hindurch, mache jetzt aber langsam, denn wo genau sich die Lodge befindet, bei der ich heute übernachten will, weiß ich nicht. Außerhalb des Ortes sollte es aber sein.

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Zuckerrohrplantage bei Malkerns

Eine Konservenproduktion, in der Obst und Gemüse verarbeitet werden, bestimmt mit ihren weitläufigen Gemüsefeldern für einige Kilometer das Bild. Dann wieder Zuckerrohr und über die Felder ziehen die Wolken tief hängend hinweg.
Malandela’s Lodge und das Festivalgelände ‚House on Fire‘ liegen da mitten drin.
Schön, dass noch (mehr als) ein Zimmer frei ist und nach der heißen Dusche sschalte ich erstmal den Radiator ein, trinke einen warmen Tee und lege mich eine Weile ins Bett.

2 Kommentare zu „Das Wetter dreht am Rad

    1. Ja, das waren zwei merkwürdige Tage. Gestern war es auch schon wieder warm im Ezulwini Valley und heute scheint die Sonne schon früh, da wird es wohl ein heißer Tag werden, während ich in Richtung Hlane National Park weiterfahre.

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